Funk im Großeinsatz

Erfahrungsbericht von einer Kompanieübung

In dem Buch "Atemschutz" schreibt Ulrich Cimolino: "Nach vielen Großschadenslagen wurde immer wieder die Überlastung im Einsatzstellenfunk beklagt. ... Die Düsseldorfer Feuerwehr mußte hier eine leidvolle Erfahrung beim Flughafenbrand im April 1996 machen. Auf nur einem Funkbetriebskanal im 2m-Band wurde fast der gesamte Einsatz abgewickelt".

Die Erfahrung, dass Zurückhaltung bei der Funkkommunikation alleine nicht ausreicht um eine Überlastung zu verhindern, führte uns dazu auf der Kompanieübung vom 03. November 2001 in Roeser eine Kanaltrennung im Funkverkehr auszuprobieren.
Kanaltrennung heißt, dass den verschiedenen Einsatzabschnitten oder funktionellen Einheiten (Atemschutz, Wasserversorgung, etc.) unterschiedliche Funkkanäle zugewiesen werden.

Planung

Cimolino schreibt weiterhin: "Um eine effektive Einteilung der Kanäle für den Einsatzstellenfunk vornehmen zu können, muß die Kanalvergabe schon vor dem Einsatz festgelegt werden." und "Die entsprechenden Funkrufnamen sind im Vorfeld des Einsatzes von der Einsatzvorbereitung, spätestens aber zu Einsatzbeginn eindeutig festzulegen."

Für unsere Übung wurden 5 Abschnitte gebildet:

  1. Gebäude 1

  2. Gebäude 2

  3. Wasserversorgung

  4. Zivilschutz

  5. Einsatzleitung

Jeder Abschnitt wurde von einem Abschnittsleiter resp. Einsatzleiter koordiniert.

Die Zuweisung der Kanäle erfolgte so, dass möglichst wenig Geräte umgeschaltet werden mussten.

 
Abschnitt Kanal Begründung
Gebäude 1 20 Unsere Feuerwehr sollte sich diesem Abschnitt annehmen und wir benutzen den Kanal 20 als Arbeitskanal.
Gebäude 2 9 Die Wehr Bettemburg sollte diesen Abschnitt übernehmen und sie benutzen den Kanal 9 als Arbeitskanal.
Wasserversorgung  10 Die Wehr Frisingen hat sich als erste Wehr an der Wasserversorgung beteiligt und sie benutzen den Kanal 10 als Arbeitskanal.
Zivilschutz  7 Dieser Kanal ist ohnehin für den Zivilschutz reserviert.
Einsatzleitung  8 Verbleibender Kanal

Alle Abschnittsleiter müssen sowohl von den Teilnehmern im Abschnitt, als auch von der Einsatzleitung erreicht werden können. Dies ist nur möglich, wenn alle Abschnittsleiter zwei Funkgeräte mit sich tragen, oder ein Funkgerät mit Mehrkanalwiedergabe benutzen.

(Nachtrag vom 23.07.2011: In der Zwischenzeit bevorzugen wir ein anderes System, falls die Mannschaftsstärke es zulässt. Pro Abschnitt befindet sich ein Mann in der Einsatzleitung der den Abschnitt mithört und den Kontakt zum Abschnitt herstellt. Der Abschnittsleiter befindet sich nach wie vor im Abschnitt. So braucht sich jeder nur auf einen Kanal zu konzentrieren.)

Durchführung

Wie bereits bei der Wasserversorgung erwähnt, wurden alle Wehren an der Zufahrtsstraße zu der Einsatzstelle von einem Melder abgefangen und eingewiesen. Bestandteil dieser Einweisung war auch auch die Kanalvergabe und Abklärung der Funkrufnamen.

Erfahrungen

Die ausführliche Planung des Funkbetriebs hat sich gelohnt, denn die taktische Vorgehensweise erwies sich als erfolgreich. Die Kommunikation zwischen allen beteiligten Partnern lief ziemlich problemlos, ohne dabei eine Überlastung des Funkverkehrs zu erzeugen. Die gewählte Kanaleinteilung ist zudem ohne Weiteres auf andere Einsätze übertragbar. Am vorliegenden Beispiel zeigt sich allerdings, dass die Anzahl der zur Verfügung stehenden Arbeitskanälen für solche Großschadensereignisse nicht gerade üppig ist.

siehe auch: http://feuerwehr-vockenhausen.de/board/viewtopic.php?p=2541#2541 (Erfahrungen zur Atemschutzüberwachung und Kanaltrennung)

Schlussfolgerung

Folgende Punkte scheinen neben der hervorragenden Leistung der beteiligten Wehren entscheidend für den Erfolg gewesen zu sein:

  1. exakte Planung

  2. Einweisung der Wehren mit Vergabe der Kanäle und Funkrufnamen

  3. Disziplin im Funkverkehr

Claude Loullingen

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