Erfahrungsbericht IFEX 3000

Artikel aus der Verbandszeitung "De lëtzebuerger Pompjee" Ausgabe 03/2002 unseres Feuerwehrkollegen Claude Loullingen.

In der Ausgabe 5/01 des Pompjee wurde unter anderem die Löschpistole IFEX 3000 vorgestellt. Um aber dieses Gerät nicht nur aus der Sicht des Herstellers zu betrachten, möchte ich mit folgendem Artikel zu einem Erfahrungsaustausch über neuartige Löschgeräte und -methoden einladen.
So hatte ich zum Beispiel 1995 die Möglichkeit, einer Vorführung von IFEX an der Forschungsstelle für Brandschutztechnik der Universität Karlsruhe beizuwohnen.

Die Firma IFEX war angetreten, einen Löschrekord in einem Brandraum zu brechen, der in vorangegangenen Untersuchungen aufgestellt worden war.

Zu den Randbedingungen:

Der Brandraum hat Abmaße von 5x5 m Grundfläche und eine Höhe von 2,7m. Eine Fensteröffnung von 1,5x1,5 m und eine Türöffnung in Standardmaßen dienen der Luftzufuhr und dem Rauchabzug. Die Brandlast bestand damals aus Alt-Mobiliar, wie ein Wohnraum eingerichtet, und begriff insgesamt ca. 750 kg Möbel (Schränke, Tische, Stühle, Polstergruppe, und einige Zeitungen). Die Zündung erfolgte unter einer offenstehenden Schranktür mittels ca. 1 Liter Brennspiritus in einer kleinen Zündwanne.

Nach etwa 7 bis 10 Minuten erfolgte der Feuerübersprung. Der Brand wurde noch etwa 10 min. brennen gelassen bis 40% der Brandmasse verbrannt waren. Der Abbrand wurde über eine im Brandraumboden eingebaute Waageplattform bestimmt. Die Wärmefreisetzungsrate lag unter diesen Bedingungen bei etwa 7 MW vor dem Löschen, die Brandraumtemperatur um 1000 Grad Celsius.

Zur Vorführung:

Wie erwähnt lag ein Rekord von 163l Wasser mit Quellkörpern vor, um diesen Brand zu löschen. Die Firma IFEX ging nun mit einer Impulslöschpistole zum Brand vor. 

mit freundlicher Genehmigung der Firma IFEX Nederland BV

Nach ungefähr 130 Schüssen à 1l wurde der Versuch abgebrochen, denn es war IFEX nicht möglich, das Feuer vollständig unter Kontrolle zu bekommen. Das Feuer flammte immer wieder auf, so dass die Brandnester schlußendlich konventionell gelöscht werden mussten.

Mit reinem Wasser lag der Rekord übrigens bei 260 Litern.

Zur Analyse:

Dipl.-Ing. Dieter Brein von der Forschungsstelle analysiert den Löschversuch wie folgt:

"Fakt beim Einsatz des IFEX-Systems war, dass die Aufgaberate (=Löschmittelvolumen/Zeit) des Wassers nicht zu einer nachhaltigen Kühlung der Wände und der Decke ausreichte. Auch wenn es möglich war, kurzfristig die Flammen wegzudrücken, so ist ein vollständiges Ablöschen glutbildender Stoffe unter diesen Bedingungen nicht möglich."

D.h. in freier Umgebung wäre es durchaus denkbar gewesen, dass der Brand mit dem IFEX-System hätte gelöscht werden können. In einem geschlossenen Raum muss aber unter den oben genannten Bedingungen nach dem Ablöschen der offenen Flammen, die Temperatur der Decken und Wände gesenkt werden um eine Rückzündung durch die Strahlungswärme zu verhindern. Dies war mit dem IFEX-System in diesem Versuch nicht möglich.

Außerdem ist zu bemerken, dass eine schnelle Wasserdampfbildung wie sie beim IFEX-System erwünscht ist, in geschlossenen Räumen immer das Risiko einer Verbrühung des Feuerwehrmannes birgt, wenn der Wasserdampf die Einsatzkleidung durchdringt.

Interessant wäre in dieser Hinsicht auch zu wissen, wie hoch beim IFEX-System die physische Belastung des Feuerwehrmannes durch den Rückstoß einzuschätzen ist.

In Untersuchungen des englischen "Department for Transport, Local Government and the Regions" wurde das IFEX 3000 an einem PKW-Brand mit einem konventionellen Hochdrucksystem verglichen. Beide Systeme benötigten ähnliche Wassermengen um den Brand zu löschen, aber mit dem IFEX-System brauchte man erheblich mehr Zeit und wiederum konnten die Brände teilweise nicht vollständig gelöscht werden.

In der Hoffnung, dass auch andere ihre Erfahrungen einbringen, möchte ich schließen.

Quellen:

  1. persönliche Mitteilung Dipl.-Ing. Dieter Brein & Dipl.-Ing. Axel Föhl, Forschungsstelle für Brandschutztechnik, Universität Karlsruhe

  2. Fire research news 1995 (pdf-Version)

  3. Fire research news 1996 (pdf-Version)