Caisson Feu I

Erfahrungsbericht von Claude Loullingen über den Caisson Feu I-Lehrgang vom 17. Juni 2000 in Kayl

(Fotos vom Caisson Feu I in Kayl am 17. Juni 2000 und vom Caisson Feu I in Aspelt am 27. Mai 2001) 

Punkt 6:30 Uhr begann der Tag mit dem üblichen Gedudele aus dem Radiowecker, aber dieser Tag sollte alles andere als "üblich" werden, denn es war Caisson angesagt. Noch schnell gefrühstückt und dann ab zum Gerätehaus um mit den Kollegen die persönliche Ausrüstung und den schweren Atemschutz zu verstauen. Nun konnte es losgehen Richtung Kayl wo an diesem Wochenende der "Caisson Feu 1" - Lehrgang abgehalten wurde.

Nachdem sich alle Teilnehmer eingefunden hatten ...

Teilnehmer Caisson I Aspelt 27.05.01 (48kB)

stellten sich uns die Ausbilder vor und erklärten uns die Zielvorgabe des Trainings sowie die allgemeinen Spielregeln des Tages.

Instruktoren Caisson I Aspelt 27.05.01 (36 kB)

 

Zugänge & Treppe (19 kB9

Nach kurzer Stärkung ging es denn auch gleich los mit der "Erkundung des Brandobjektes". Drei Eingänge führen ins Innere der Trainingszelle: 

1. Tür rechts
2. Tür links
3. Dachluke mit Treppe

Dachlucke (30 kB)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Für die erste Ausbildungsstuffe befinden sich im hinteren Teil zwei Becken in denen Flüssigbrände gezündet werden können. Zur Schnelllöschung können diese Becken mit ferngesteuerten Fallklappen verschlossen werden.

Weiterhin ist auf dem nebenstehenden Bild noch das rechteckige Entlüftungsrohr zu sehen, über das im Notfall die Hitze und der Rauch abgesogen werden können.

Mittig im Raum steht schlußendlich noch eine Halterung für die Gasflasche.

 

Becken (19k B)

 
Kontrollstand (28 kB)

Die Erkundung schloss mit dem Einblick in den Kontrollstand ab, von wo aus der Verlauf der Übungen ständig überwacht wird.

Ein kurzes Video gab uns einen ersten Einblick in das, was uns in den folgenden Übungen erwarten sollte.

Theoretisch und praktisch eingewiesen, ging es sodann los mit den Vorbereitungen zu der ersten  Übung. 

 

Da man es im Caisson mit realen Einsatzbedingungen zu tun hat, mußten wir uns natürlich entsprechend schützen und das hieß:

  1. schwer entflammbare isolierende Kleidung (Rollkragenpulli, Kombi, Jacke mit Thermofutter, Hose, Handschuhe und Haube)

  2. leichter resp. schwer Atemschutz

  3. Helm

  4. Stiefel

Die Hose ist wirklich empfehlenswert, denn so bleibt die Kombi komplett sauber.

Vorbereitungen (47 kB)

Jeder erhielt übrigens zu Beginn des Kurses eine schwer entflammbare Haube.

1. Übung: Verhalten bei extremer Hitze

 
Gasflamme (13 kB)

Zu je zwei Trupps und einem Ausbilder betreten wir mit einer Staubmaske ausgestattet, aufrecht stehend den Trainingsraum. 

Mit Hilfe einer Gasflasche wird der Raum vorgeheizt. Anschließend dreht der Ausbilder die Gasflasche um, wodurch das Gas flüssig aus der Flasche austritt. Eine mächtige grelle Flamme entsteht, die die Temperatur innerhalb weniger Sekunden hochschnellen läßt. Die direkte Wärmestrahlung brennt mir in den Augen, die als einzige nicht geschützt sind. Um der direkten Strahlung zu entgehen neige ich den Kopf leicht nach unten. Die Erleichterung ist nur von kurzer Dauer, da die Luft schon so heiß ist, dass das Atmen unangenehm wird, die Augen anfangen zu tränen und diese partout nicht mehr offen bleiben wollen. 

Ich ziehe es also vor, mich mit meinen Kameraden in kühlere Gefilde zu verziehen. Letztere findet man, wie jeder gut ausgebildete Feuerwehrmann weiß, am Boden, da hier die kältere sauerstoffreichere Luft über den Boden zum Feuer kriecht, während die leichteren heißen Verbrennungsgase aufsteigen.

Bevor die Temperatur auch am Boden unerträglich wird, erlischt der Ausbilder die Flamme und wir finden uns in echten Saunabedingungen wieder. Um schlußendlich noch eine Vorstellung des Temperaturgefälles zu bekommen, ziehen wir die Handschuhe aus und strecken die Hand vorsichtig nach oben aus. Deutlich ist der Temperaturanstieg zu spüren.

Der Ausbilder beendet damit die erste Übung und wir verlassen den Caisson. Abschließend gibt man uns noch die erzielten Temperaturen durch. Satte 280°C herrschten unter der Decke, während am Boden gerade mal noch 50-60°C davon übrig blieben. Übrigens koaguliert Eiweiß ab 60°C und es entstehen erste Verbrennungserscheinungen. Damit ergibt sich die Notwendigkeit von Schutzkleidung von selber.

Welche Belastung diese kurzzeitige Hitzebeaufschlagung für die persönliche Ausrüstung bedeutete, konnten wir allerdings erst draußen erkennen. Einem Kameraden war  nämlich die Textillage im Nackenschutz total zusammengeschrumpft und machte diesen damit völlig unbrauchbar. An meinem Helm platzte lokal die Chrombeschichtung ab.

2. Übung: Verhalten bei starker Rauchentwicklung

 
Becken brennend (12 kB)

In dem Trainingsraum wird ein Flüssigbrand in einem der Becken gezündet. Zu je 3 Trupps sowie einem Ausbilder betreten wir aufrechtstehend und weiterhin mit Staubmasken ausgestattet den Raum. Nachdem die Türen verschlossen wurden, können wir beobachten wie die Rauchdecke sich langsam senkt bis wir das Feuer schlicht nicht mehr sehen.

Klar da gibt es nur eins ... Nase in den Dreck bis auch dort nichts mehr zu sehen ist.

 

Auf dem nebenstehenden Bild ist von links nach rechts ein gebrauchter Staubfiltereinsatz, ein neues Filter und die Filtermaske zu sehen.

Filtermasken vorher/nacher (34 kB)

3. Übung: Simulation einer kleinen Rauchdurchzündung

Ziel der nächsten Übung ist es durch einen Flammenrückschlag den Eindruck einer kleinen Rauchdurchzündung zu vermitteln. Dazu soll ein ausgedehnter Flüssigkeitsbrand mit Wasser gelöscht werden. Jeder Feuerwehrmann weiß, dass bei so einem Versuch das aufgebrachte Wasser in dem über 100°C heißen Mineralöl schlagartig verdampft und das so aufgewühlte Öl in einer gewaltigen Stichflamme verbrennt. (siehe auch Fettexplosion)

 
Einweisung(46 kB)

Truppweise und unter schwerem Atemschutz gehen wir vor, wobei jeder einmal die Rolle des Truppführers und des Truppmanns übernehmen wird.

Nach genauer Einweisung und sorgfältigem Anlegen des schweren Atemschutzes geht es jetzt also zur Sache. 

Zum Brand vor (33 kB)

Der Brand (11 kB)

Mein Truppmann und ich betreten auf allen Vieren das Caisson, in dem schon die beiden Becken in voller Ausdehnung brennen. Da alle Türen offen sind, ist das Feuer klar und deutlich zu erkennen. So können wir uns, die Lanze über der Schulter geführt, 2 Meter vor dem Feuer in Position bringen. Wie vorher geübt ziele ich genau zwischen die beiden Becken. Nachdem sich mein Truppmann hinter mir in Deckung gebracht hat, melde ich dem Ausbilder, dass wir startklar sind.

 

Jetzt klopf der Ausbilder mir zweimal auf den Helm und gibt mir damit die Freigabe schlagartig die Speziallanze zu öffnen. Mit 10 bar getrieben, peitscht der Sprühstrahl in die Becken und keinen Augenblick später schlägt auch schon eine Stichflamme die Wand hoch und an der Decke entlang Richtung Dachluke. Durch die nahe am Gesicht geführte Lanzenöffnung, schützt der Sprühstrahl jedoch hervorragend vor der Flamme. Das verdampfte Wasser breitet sich als Dampfwolke aus und durchdringt unsere Schutzkleidung. Dies läßt die Temperatur um uns nochmals ansteigen.

Wie besprochen, führe ich nun die Lanze ruhig einmal nach links und rechts über die Becken und lösche damit das Feuer ab. Nach einer kurzen Nachkühlphase klopft der Ausbilder mir wieder zweimal auf den Helm, um mich zum Schließen der Lanze aufzufordern. Sodann können wir den Caisson verlassen, um mit vertauschten Rollen von Neuem zu beginnen.

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Bis jetzt leiden alle Übungen an ihrer Kürze. Keine Übung dauerte wohl länger als 1 Minute und somit ist es schwer die erfahrenen Situationen vollkommen zu verinnerlichen. Dies sollte sich aber mit der letzten Übung prompt ändern.

4. Übung: Verhalten bei Kellerbränden

Kellerbrände stellen für die Feuerwehr bekanntlich mit die größte Herausforderung dar. Nicht nur das gefährliche Lagergut, sondern vor allem der Zugang machen diese Brände oft zur echten Belastungsprobe. Der Angriffsweg in unterirdische Geschosse bedingt nämlich, dass man durch die heißen aufsteigenden Verbrennungsgase absteigen muss.

 
Abstieg (28 kB)

Die nächste Übung soll also genau diese Erfahrung vermitteln. Dazu wird in beiden Becken des Caisson wiederum ein Flüssigbrand entzündet. Diesmal bleiben aber die beiden Türen geschlossen und der Zugang erfolgt über die Dachluke. Je ein Trupp geht zum Feuer vor, während ein zweiter Trupp oben hilft Schlauch nachzugeben.

Nachdem die erforderlichen Übungsbedingungen geschaffen sind, steigen wir rückwärts kriechend die Treppe hinunter. Die lichte Höhe in der Dacklucke ist so gering, dass man fast ganz ausgestreckt vorgehen muss. Kaum ein paar Stufen abgestiegen, ist die Sicht bereits gleich Null und es ist stockfinster. Zudem setzt einem die Hitze (230°C) beachtlich zu. Wir kämpfen uns weiter die Treppe hinunter und das Strahlrohr verpasst natürlich keine Gelegenheit an jeder Ecke und Kante hängenzubleiben. Wie im Ernstfall bleibe ich ständig mit meinem Truppmann in Kontakt und versuche ihm so einen Eindruck von der Lage zu geben.

Unten angekommen gehen wir weiter Richtung Feuer. Nur gut dass wir wissen wo das Feuer ist, denn man sieht absolut gar nichts. In sicherem Abstand zu den brennenden Becken hält mich der Ausbilder an und wir bringen uns wieder in Position um das Feuer zu löschen. Um das Feuer allerdings überhaupt sehen zu können, öffnet der Ausbilder kurz die Tür um zusätzlichen Rauch zu evakuieren. Jetzt endlich schimmert es rot durch den Rauch. Nach der Freigabe des Ausbilders öffne ich wieder die Lanze und lösche das Feuer wie gehabt ab.

 
Rauchpilz (16 kB)

Die Stichflamme schiebt schlagartig eine gewaltige Masse Rauch durch die Dachluke aus dem Caisson. Im Idealfall bläht sich der Rauch zu einem richtigen Pilz auf und deutet so eindeutig auf das Einsetzen der Löschaktion hin.

 

Nachdem wir den Rückzug abgeschlossen haben, geht es gleich noch einmal mit vertauschten Rollen in das feuerrote Spielmobil. Job erledigt, Training abgeschlossen.

Völlig geschafft, aber zufrieden über eine wirklich beeindruckende Übung, lassen wir uns in den gemütlicheren Teil des Tages fallen.

Fix und Foxi (34 kB)

Durch ein paar Brötchen und Antialkoholisches gestärkt, machen wir uns an die groben Reinigungsarbeiten unserer Ausrüstung und der Geräte.

 

Zum Schluß setzen wir uns noch mal alle zusammen und lassen den Tag für uns Revue passieren um ein durchweg positive Bilanz zu ziehen. Ohne Übertreibung kann ich für mich sagen, dass dieses Training wegen seiner Realitätsnähe mit Abstand der bereicherndste Lehrgang gewesen ist den ich bis jetzt in der luxemburgischen Feuerwehr absolvieren durfte.

 

Ultraschall (20 kB) 1x Schrubben (22 kB)

Zurück in unserem Gerätehaus gehen natürlich die Reinigungsarbeiten noch langen weiter bis alles wieder blinkt und blitzt. Der Tip den Ruß mit Nokomis (resp. AT7 od. 3211-E) zu entfernen hat übrigens recht gut funktioniert.

 

Panorama (27 kB)

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