Caisson Feu II

Erfahrungsbericht und von Claude Loullingen über den Caisson Feu II-Lehrgang vom 17. Juni 2001 in Consdorf

Auch dieser Tag sollte früh beginnen und das wenig einladende Wetter lies uns nur langsam in Fahrt kommen. 

mit freundlicher Genehmigung von Jean Neu

Nach dem reichlichen Frühstück sah die Welt aber schon ganz anders aus und ohne größere Verzögerungen starteten wir in die erste Übung.

1. Übung: Verschärfter Flammenrückschlag

Zum warm werden wiederholen wir erst einmal die Simulation der Rauchdurchzündung aus dem Caisson Feu I. Einziger Unterschied:
Es wird  zusätzlich etwas Mineralöl entlang der Wand über den Becken laufen gelassen. Nun stehen nicht nur die Becken in Brand, sondern auch die halbe Wand darüber.

Die Löschtaktik bleibt aber die gleiche; mittig angesetzt wird die Lanze ruhig einmal nach links und nach rechts über die Becken geführt und anschließend im Bogen über die Wand geführt. Der gewünschte Effekt läßt natürlich nicht lange auf sich warten und eine gewaltige Stichflamme schiebt sich wieder Richtung Dachluke. Durch die größere brennende Oberfläche fällt die Stichflamme entsprechend größer als beim Caisson I aus und kommt auch näher an uns heran.

Nach wie vor gilt, jede Übung wird mit vertauschten Rollen wiederholt.

Nachdem jetzt die Temperatur und der Adrenalinspiegel stimmen, geht es nahtlos zur nächsten Übung über.

2. Übung: Kombinierte Brandsituation

 
Brandsituation (17kB)

Im Caisson wird eine kombinierte Brandsituation hergestellt. Dazu wird ein zusätzliches längliches Becken links im Caisson aufgestellt. Außerdem wird über dem rechten hinteren Becken Gas einströmen gelassen. Es brennt also so ziemlich überall und doch weiß jeder Feuerwehrmann, dass dieses Feuer nicht gelöscht wird, bis die Gaszufuhr abgestellt ist. Nur zu dumm, dass der Gashahn direkt neben den brennenden Becken angebracht ist. 
Doch damit nicht genug, denn ein einzelner Hahn wäre ja zu billig und so sind gleich sechs davon an der rechten Wand montiert. Nur einer davon unterbricht die Gaszufuhr.

Da bei dieser Übung eine Seitentür und die Dachluke offen stehen, sind die einzelnen Feuerquellen wieder klar und deutlich zu erkennen. 

 

Wir gehen also wie folgt vor. Mein Truppmann postiert sich gleich hinter der Tür und gibt mir Deckung, damit ich flach ausgestreckt an der rechten Wand entlang zu den Gashähnen vorkriechen kann. Da lustiges Rätselraten nichts bringt, drehe ich einen Hahn nach dem anderen zu. 
Der anfänglich noch "kalte Kaffee" wird langsam gut schnuckelig warm und so ist die Erleichterung spürbar, als die Gasflamme beim vorletzten Hahn langsam nachläßt.

Gashähne (18kB)

 
Löschung Langbecken (16 kB)

Jetzt heißt es zurück zu meinem Truppmann zu gehen, um die beiden noch brennenden Becken in Angriff zu nehmen. Zuerst kommt das lange Becken dran. 
Damit die Brühe nicht überschwappt soll die Lanze fast horizontal geführt werden. Ähnlich einem Feuerlöscher schieben wir mit dem Sprühstrahl die Flamme vom Anfang des Beckens zum Ende hin, wo sie erlischt. All dies passiert ohne explizite Aufforderung durch den Instruktor.

Genauso selbstständig nehmen wir das hintere Becken in Angriff, um nach erledigter Arbeit den Caisson zu verlassen.

 

Summa summarum eine Übung ganz nach meinem Gusto: klar strukturiert, fordernd und spürbar.

3. Übung: Kellerbrand unter Treppe

Dass Kellerbrände nicht unbedingt Feuerwehrmann's Lieblinge sind, hatten wir bereits im ersten Teil erläutert. Was aber tun, wenn der Brand ausgerechnet unter der Kellertreppe wütet?

 
Auch dies kann im Caisson simuliert werden. Dazu steht ein kleineres Becken mit Mineralöl direkt unter der Treppe. Bei dieser Übung wird logischerweise wieder über das Dach vorgegangen. Da die Seitentür offen steht hält sich die Temperatur beim Abstieg allerdings in Grenzen. Die Zwischenetage der Stahltreppe hingegen wird so heiß, dass sie vor dem Betreten von uns gekühlt werden muss. Unten angekommen bringen wir uns in Position. Halb aufrecht stehend ziele ich auf das Feuer.
Nach der Freigabe durch den Instruktor wird die Lanze wie gehabt geöffnet und eine Stichflamme schlägt nach links unter die Treppe und durch diese zu uns zurück.

 

4. Übung: verschärfter Kellerbrand

Die 4. Übung ist identisch zu der letzten Übung im Caisson I. Über das Dach bei geschlossenen Seitentüren werden die brennenden Becken im hinteren Teil des Caisson in Angriff genommen. Zusätzlich wird wieder kurzzeitig Mineralöl längs der Wand über den Becken laufen gelassen. Hiervon kriegt man allerdings nicht allzuviel zu sehen, denn die Sicht ist fast gleich Null.

Die Steigerung des Flammenrückschlages ist von außen fast besser zu erkennen. Erstens rüttelt es den Caisson beim Einsetzen der Löschung spürbar durch und zweitens fängt das Caisson regelrecht an zu "atmen". Nachdem nämlich zuerst eine gewaltige Rauchwolke aus der Dachluke entweicht, zieht es sichtbar frische Luft durch die gleiche Luke in den Caisson zurück.

Interessant war auch folgende Erfahrung. Beim Verlassen des Caisson hatte ich kurz das Geländer der Treppe angefasst. Erst Sekunden später wurde im Inneren des Handschuhs spürbar, dass das Geländer doch noch einen Tick wärmer als der Rest der Treppe gewesen sein muss.
Meine Nomex-Handschuhe sind wie die meisten auf der Handinnenfläche mit Leder bestückt. Leder hat bekanntlich ein niedrigeres thermisches Isolationsvermögen und eine höhere Wärmekapazität als Nomex. Dies führt dazu, dass kritische Temperaturen in Handschuhinneren erstens bei geringeren Außentemperaturen, aber vor allem zeitlich verzögert auftreten und viel länger anhalten.

Bilanz

Damit ist auch die zweite Stufe des Caisson Feu überstanden und die Bilanz fällt ähnlich positiv aus. Nach wie vor ist es sehr bereichernd das eigene Verhalten unter Einsatzbedingungen zu trainieren. Außerdem gibt die Ausbildung die Möglichkeit die Stärken oder Schwächen der eigenen Einsatzbekleidung zu erfahren.
Nur das Überraschungsmoment des Caisson Feu I macht in der zweiten Stufe bereits einer gewissen Routine Platz. Deshalb ist unter dem Strich der Lerneffekt im Caisson Feu I doch größer als in der zweiten Stufe.

Da dieser Lehrgang Sonntags stattfand, hieß es zum Schluß noch einmal zupacken, um den Caisson wieder für das nächste Wochenende einsatzbereit zu machen. Die etlichen Ölaufsaugtücher und ~200 l Wasser/Öl-Gemisch aus dem Ölabscheider entsorgte die Wehr über die "Superdreckskescht fiir Betrieber". Die Rechnung hierfür ging an den Kantonalverband.

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